KAP-Drachen

KAP-Drachen

Geschrieben am 25. Jul, 2010 von in KAP-Drachen

1.1      Typberatung – Welche Drachen eignen sich für KAP?

Bei Luftaufnahmen mit dem Drachen steht man vor einem Zielkonflikt. Auf der einen Seite braucht man möglichst wenig Wind, um verwackelungsfreie Bilder zu erhalten. Auf der anderen Seite erhöht sich die Tragefähigkeit des Drachen mit steigender Windgeschwindigkeit. Die Lösung liegt – wie so oft – im goldenen Mittelweg. Die meisten KAP-Fotografen kompensieren die geringe Tragkraft bei schwachem Wind durch eine größere Fläche des Drachen. „Big is beautiful” lautet die Devise. Und so verwundert es kaum, dass beim KAPen sehr große Drachen an den Start gehen. Die zweite Kunst in der sich KAP-Piloten üben ist der Leichtbau. An vielen Stellen werden Sie konkrete Hinweise finden, wie und wo sich Gewicht sparen lässt.

KAP-Drachen sind in der Regel Einleiner. Eine Notwendigkeit, den Drachen zu lenken, besteht nicht. Ganz im Gegenteil. Der Drache soll am besten fest an einem Punkt in der Luft stehen. Neben einer großen Tragkraft auch bei wenig Wind, ist ein stabiles Flugverhalten von großer Bedeutung. Hilfreich ist es auch, wenn sich der Drachen gut starten lässt, im Idealfall auch aus der Hand und ohne weitere Helfer. Grundsätzlich unterscheidet man stablose Drachen (Freiformdrachen) und solche mit Stäben.

1.2      Eddy-Drachen

Der Eddy-Drachen ist wohl jedem aus Kindheitstagen bekannt. Der rautenförmige Drache überzeugt durch eine sehr einfache Konstruktion und stabiles Flugverhalten. Zentrales Element ist ein Kreuz aus zwei verschieden langen Stäben. Der Längsstab bestimmt die Höhe H und der Querstab die Breite B. Der Querstab teilt den Drachen in ein oberes und ein unteres Dreieck. Das Verhältnis in dem der Längsstab geteilt wird, heißt Teilung T. Sie wird oft in Prozent angegeben.In traditioneller Bauweise besteht der Drache aus zwei Holzleisten. Rund um alle vier Ecken wird eine Schnur gespannt. Um diese Schnur wird der Drachenstoff befestigt. Diese Holz-Stoff-Schnur-Drachen fliegen in der Regel sehr schlecht, da ihnen ein stabilisierendes Element fehlt.

In der modernen Bauweise werden die Holzleisten durch Glasfaser- oder Carbonrohre ersetzt. An die Stelle von Baumwollstoff tritt Spinnaker-Nylon. Die umlaufende Schnur entfällt ebenfalls. Stattdessen wird der Drachstoff an den Enden mit Gewebeband verstärkt. Die Stabenden stecken in Taschen. Quer- und Längsstab spannen das Tuch wie ein Bogen. Wird der Drachen vom Wind angeblasen, so wölbt sich das Tuch V-förmig nach hinten. Diese V-Form stabilisiert den Flug des Drachen. Durch das Einstecken der Stäbe in die Ecktaschen lässt sich der Eddy-Drache sehr schnell auf- und abbauen. Das Tuch wird für Transport und Lagerung einfach um die Stäbe aufgewickelt und verschwindet als lange dünne Rolle in einer Packtasche.

Die Fläche A eines Eddy-Drachens lässt sich sehr einfach mit folgender Formel berechnen:

Die Gesamtfläche A ergibt sich ganz einfach aus der oberen und unteren Dreiecksfläche.

Überraschend ist, dass die Teilung T keinen Einfluss auf die Gesamtfläche A hat. Es ist also egal, an welcher Stelle der Querstab den Längsstab schneidet.

1.3    Rokkaku

Der Rokkaku ist mein persönlicher Favorit. Er ist die logische Weiterentwicklung des Eddy-Kites. Die Konstruktion ist genial einfach oder einfach genial. Durch einen weiteren Querstab wird das obere und untere Dreieck des Eddy-Kites um ein Rechteck erweitert. Der Zugewinn an Fläche ist enorm. Aus Symmetriegründen sind das obere und untere Dreieck gleich groß. Der Längsstab wird durch die beiden Querstäbe in drei Teile geteilt. Während der Eddy-Kite meistens mit einer Zwei-Punk-Waage auskommt, kommen beim Rokkak Sechs-Punkt-Aufhängungen zum Einsatz. Mit wenig Aufwand erhält man einen Drachen, der selbst bei wenig Wind eine hohe Tragkraft entwickelt. Die Mindestgröße für´s KAP-Kiting liegt bei ca. 2 m x 1,8 m. Kennzeichnend für alle Stabdrachen ist der stabile Flug. Auch hier kommt das gleiche Prinzip wie beim Eddy-Kite zum Einsatz. Die Querstäbe biegen sich nach hinten. Das V-förmig gespannte Tuch stabilisiert der Flug.

1.4      Kastendrachen

In der Frühzeit der KAP-Fotografie waren Kastendrachen sehr beliebt. Die Konstruktion ist einfach und erfordert nur wenig handwerkliches Geschick. Viel Fläche liefert viel Auftrieb. Am Boden ist der Kastendrachen aber etwas sperrig. Und wenn das gute Stück nicht zerlegbar ist, hat man schnell ein Transportproblem.

1.5      Deltadrachen

Ein Klassiker ist der große Deltadrache. Der Bauaufwand lässt sich reduzieren, wenn man auf ausgefallene Designs und Muster verzichtet. Stabilisierend wirkt eine große Kielflosse. Am Boden lässt sich der große Manta auf ein übersichtliches Packmaß reduzieren. Je nach Größe, Gewicht und Funktion des KAP-Rigs kommen Deltas mit einer Spannweite zwischen 2,4 m und 6 m zum Einsatz. Biegesteife Carbonstäbe mit Ø8 bis 12 mm sind ein Muß, wenn man die große Fläche in Tragkraft umsetzen will. Bei weichen Stäben macht der Delta den Flattermann.

Name Breit Höhe Wind Zugkraft Schnur
Gombergs Dazzle Delta 2,80 m 1,40 m 1 bis 3 Bft 50 daN

1.6      Para-Sled-Drachen

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei den Para-Sled-Drachen um eine Mischung aus den fliegenden Matratzen („Parafoil“) und den Schlitten-Drachen (Sled). Im Gegensatz zu den Freiformdrachen benötigen Sie zur Formgebung jedoch Stäbe.

Para-Sleds lassen sich auf beliebige Größen skalieren. Durch ihre einfache Konstruktion sind sie nahezu unzerstörbar. Der Aufbau ist einfach und schnell zu erledigen. Die sehr große Fläche verleiht ihnen eine enorme Zugkraft, weshalb sie oft zum Schleppen großer Lasten oder auch als „Luftanker“ herangezogen werden. Durch die stabile Fluglage in einem weiten Windbereich (2 bis 5 Bft) eignen sie sich sehr gut für die Luftbildfotografie.

Name Breit Höhe Wind Zugkraft Schnur
Wolkenstürmer Parasled 1.0 1,80 m 1,04 m ab 3 Bft 75 daN
Wolkenstürmer Parasled 1.5 2,60 m 1,50 m ab 2 Bft 120 daN
PowerSled Black Rainbow 2,00 m 1,10 m k.A. 100 daN
Elliot Power Sled 2,00 m 1,10 m 2 bis 5 Bft 100 … 220 daN
Premier Large Power Sled 24 2,42 m 1,13 m 1 bis 7 Bft Volango 125 daN
HQ Power Sled S 1.0 1,30 m 0,75 m 2 bis 6 Bft 45 daN
HQ Power Sled L 3.0 3,20 m 1,38 m 2 bis 5 Bft 250 daN
HQ Power Sled L 3.0 3,20 m 1,38 m 2 bis 5 Bft 250 daN

Mein Favorit ist der „Large Power Sled 24“ von der Firma PREMIER. Zum Preis von ca. 65,- € erhält man bei VOLANDO einen großen Schlitten mit ca. 2,5 m² Fläche. Besonders interessant ist der sehr weite Windbereich von 1 bis 7 Bft.

1.7     Freiform-Drachen

Stablose Drachen werden auch als Freiform-Drachen bezeichnet. Sie haben den großen Vorteil, dass sie sich auf ein sehr kleines Packmaß reduzieren lassen. Fein säuberlich gefaltet lässt sich eine komplette KAP-Ausrüstung in einem mittelgroßen Werkzeugkoffer verstauen. Das ist nicht nur beim Transport, sondern auch beim Aufbewahren zu Hause eine wertvolle Eigenschaft. Erkauft wird dieser Vorteil allerdings mit einem nicht ganz so stabilen Flugverhalten. Durch die stablose Konstruktion können Freiformdrachen auch bei gleichmäßigem Wind ein wenig Luftakrobatik ausführen.

Kommentarfunktion ist geschlossen